Ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Es ist, als würden die Tage nur so vorbeiwehen. Seit ungefähr Februar fliegt die Zeit und die letzten Wochen gingen noch schneller vorbei.... aber das nur am Rande....
Was nun folgt, ist ein langer Bericht. Also setzt euch bequem hin und nehmt euch ein wenig Zeit:
Am 23. Mai fand in meiner Kirche ein Frühlingsfest und gleichzeitig Abschlussfest der meisten Gruppen unter dem Motto "Ostfriesland" statt. Dafür hatte ich eine Art Rallye und eine Powerpointpräsentation über meine wunderbare Heimat vorbereitet und Tee mit Kluntje und Rosienenbrot serviert. Vorher gab es echte, richtige Bratwurst, die Mama und Papa im April schon mitgebracht hatten. Die Schweden grillen nämlich nach nichts schmeckende Bockwürste....bäh.... Es war ein wunderschöner, sonniger Nachmittag mit vielen bekannten und unbekannten Gesichtern, der mit einem Gottesdienst im Kirchgarten geendet hat.
Am nächsten Tag war ich "Baby-Gucken", denn mein Mentor ist knapp 2 Wochen zuvor zum zweiten Mal Papa geworden. Ein zuckersüßer Lukas mit winzig kleinen Fingerchen =)
Am Dienstag habe ich gearbeitet und hatte ein letztes Mal meine Junior-Gruppe..... ach, ein bischen traurig ist das Ganze doch......
Mittwoch hatte ich mir frei genommen, da eh keine Gruppe mehr stattfand. Also habe ich mich morgens aufgemacht in die Stadt, um einen weiteren Punkt auf meiner "Schweden-To-Do-Liste" abzuhaken. Ich habe mir an diesem Tag das Universum angesehen. Das Universum ist ein Museum, in dem es unglaublich viele Möglichkeiten gibt, Dinge aus den Bereichen Wasser, Klima, Sport, Luftfahrt, Kriminalität usw. aktiv zu entdecken. Außerdem gibt es ein riesiges (Tunnel)Aquarium mit Haien, Schwertfischen, etc. und ein Regenwaldhaus mit tropischen Pflanzen, exotischen Vögeln und Affen. Nach meinem Museumsbesuch habe ich es endlich mal geschafft, mir die Deutsche Kirche in Göteborg anzusehen und muss sagen......nääää, nicht so schön! Aber immerhin, ich bin da gewesen und kann einen weiteren Punkt auf meiner Liste abhaken. 2 an einem Tag, nicht schlecht, oder? Mit einem Abstecher nach Kungälv (Spaziergang und Stadtbummel) bin ich dann wieder nach Hause gefahren, um endlich mal meine Wäsche zu erledigen, aber das interessiert euch wahrscheinlich nicht so brennend, oder? ;)
Donnerstag war Planung fürs Juniorlager angesagt. Nicht weiter spannend. Am Abend hatten wir dann Jugendgruppenabschluss: Maskerade in Liseberg. Das heißt, wir sind verkleidet mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt in den Vergnügungspark Liseberg gefahren. unglaublich, wie die Menschen glotzen können. Leider haben einige mit wirklich tollen Verkleidungen sich direkt am Eingang schon wieder umgezogen......LANGWEILIG!!!!!! Naja, trotzdem war es ein superlustiger Abend mit Burgeressen, 5-Kamp (Wettbewerb in 5 Disziplinen, wie z.B. Pferderennen (wie auf dem Gallimarkt), Fische in Tonnen werfen, Körbe werfen, Clowns abschießen, etc) und Glücksspielen. Leider habe ich weder den 5-Kamp noch eine riesige Tafel Schokolade im Glücksspiel gewonnen, aber dabei is alles, nä :D
Freitag stand wieder Lagerplanung auf dem Programm, dieses Mal allerdings fürs Sommerlager. Am Abend war ich trotz meiner Erkältung mit Elke erst bei Max (Burgerkette, 1000 Mal besser als Burger King oder Mäcces) etwas essen und dann im Kino. Ein Kinosaal mit 350 Plätzen, alle besetzt, allerdings nur ca 10 mit Männern. Nun dürft ihr raten, welchen Film wir uns angesehen haben......RICHTIG! Sex and the City - Teil 2. Herrlich wars!
Samstag war ich dann auf großem Ausflug mit meiner Gemeinde. Früh um 8 ging es auf nach Dalsland, etwa zwei Stunden nördlich von hier. Dort machten wir natürlich erstmal Fika in einem wunderbar gelegenen Cafe, schauten uns ein Freiluftmuseum und eine Ausstellung über Strohverarbeitung an, bevor eine tourbulente Fahrt uns in ein Restaurant führte, in dem wir Mittag aßen. Nach dem Mittagessen war es Zeit für einen Spaziergang entlang des berühmten Dalslandkanals mit Aquaedukt. Wie es sich gehört, gab es dort am Aquaedukt natürlich auch einen Tourishop mit allem möglichen Krimskrams uuuuund einem ausgestopften Elch, den kein geringerer als unser König geschossen hat. Hier verehrt man eben die Königsfamilie, aber darauf komme ich später noch zurück. Unser nächster Haltepunkt war eine wunderschöne, hölzerne, reich geschmückte, direkt an einem See gelegene Kirche (die Heimatkirche unseres Kantors), in der wir eine kleine Andacht hatten. Nach der Andacht gab es im Kirchgarten natürlich noch eine Fika im tollsten Sonnenschein, bevor es auf den Heimweg ging.
Eigentlich war ich an diesem Abend mit Susi und Franzi zum Feiern in der Stadt verabredet, aber meine Erkältung machte mir so zu schaffen, dass ich unser Feiern abgesagt habe. Stattdessen habe ich den Anfang vom Eurovision Song Contest geguckt, meine Pflicht als deutscher Staatsbürger erfüllt und eine SMS für Deutschland geschickt, bin ins Bett gegangen und habe einen historischen Moment verschlafen. Tja, so ist das nun manchmal. Am nächsten Morgen habe ich schön vom Bett aus die Wiederholung des ESC gesehen und somit doch, wenn auch nicht Live, einen großen Augenblick erlebt. Tja, wer hätte das gedacht. Im Nachhinein habe ich mit einigen Schweden gesprochen, die meinten, Lena hätte bei vielen große Symphatiepunkte gesammelt, da sie eine Taizé-Kette trägt. Gut möglich..... aber ob, oder nicht: Tyskland: 12 poäng! Super!
Gegen Abend habe ich mich noch mit Susi und Franzi in der Sadt zur Fika getroffen. Zu lange zuhause - da fällt einem ja die Decke auf den Kopf! Außerdem gings mir ja auch schon wieder etwas besser.
Montag Mittag ging es dann los auf mein letztes Seminar hier in Schweden. Dieses Mal fand unser Seminar nicht in Helsjön, sondern in Skaga, mitten im Wald zwischen Vänern und Vättern statt. So wunderschön gelegen und eine so herrliche, kleine Kapelle..... wunderbar!
Am ersten Abend hatten wir nur noch ein kleines Programm, ein Gespräch zur Auswertung unseres Volontärjahres. War recht interessant, auch die Erfahrungen der anderen mal zu hören.
Der Dienstag sollte schließlich zum tollsten Tag der Woche werden. Unsere Gruppe wurde am Vormittag geteilt, und ich machte mich mit der Wandergruppe auf den Weg, mit Kompass und Karte ausgerüstet hinein in den tiefen, grünen, schwedischen Wald unter Begleitung einer strahlenden Sonne und dementsprechender Wärme. Nach einer ca zweieinhalbstündigen Wanderung hatten wir den Rastplatz erreicht, an dem unsere Mittagspause stattfinden und wir den Rest der Gruppe treffen sollten. Da wir wussten, dass die anderen vermutlich noch mindestens eine Stunde länger brauchen würden, wagten Jenne und ich das Abenteuer Baden in einem eisig kalten See mit unglaublich klarem Wasser. Ein herrliches Gefühl!!!! Anschließend ließen wir uns in der Sonne trocknen. Nach einiger Zeit war endlich auch der Rest der Gruppe im Anmarsch und das Kochen auf offener Feuerstelle konnte beginnen. Wir wurden in Kleingruppen aufgeteilt, die für einen jeweiligen Gang zuständig waren. Nun muss man sich mal vorstellen. Ca. 20 Leute kochen mitten im Wald auf offenem Feuer, umgeben von Ameisen, anderen Kriechtieren und einem Hund, zum Kochen und Trinken wird Wasser direkt aus dem See verwendet, ABER vor dem Kochen müssen natürlich die Hände mit mitgebrachtem Desinfektionsmittel desinfiziert werden. Wo liegt denn da bitte der Sinn? Damit geht doch die ganze Pädagogik flöten..... aber nun gut. Das Essen war lecker: es gab zur Vorspeise Brotkekse mit Käse und Senfsoße, zum Hauptgericht Chilli Con Carne und selbstgebackenes Brot und zum Nachtisch einen Pie mit Diggestive-Keksen, Bananen, Karamellsoße und Sahne.....Mumms, wie der Schwede zu sagen pflegt. Nachdem alle Kochutensilien wieder gut verstaut waren, ging es auf den Heimweg. Dieser Weg wurde allerdings im Kanu bestritten.....allerdings nicht im Sitzen sondern im Knien und mit einer anderen Paddeltechnik als ich gewohnt bin. Aber Jenne und ich haben uns wacker geschlagen, haben unterwegs ein Reh gesehen, die Ruhe auf dem See genossen und sind heil und glücklich angekommen. Nach einem kleinen weiteren Fußmarsch waren wir so gegen 21 Uhr wieder in unserer Unterkunft, haben zu Abend gegessen und danach im Tippi ein Lagerfeuer gemacht und eine Lektion unter dem Thema "Lagerfeuertheologie" gehabt. Das war einer meiner 3 schönsten Tage des ganzen Jahres..... so etwas könnte ich öfter machen!
Der Mittwoch war nicht ganz so spannend. Wir haben einen Film gesehen, Gespräche darüber geführt, uns gesonnt und einen schönen Spieleabend im Garten gehabt.
Donnerstag haben wir eine rund 6-stündige Wanderung mit Denkanstößen und Pausen am See gemacht. Bei diesem wunderbaren Wetter und in der herrlichen Umgebung war das echt ein Genuss. Abends hatten wir einen Gottesdienst mit dem örtlichen Pastor und ich hab mich noch nie so unwillkommen in einem Gottesdienst gefühlt. Alles wurde nur runtergebrabbelt, völlig inhaltslos und nach 25 Minuten war der Gottesdienst (sonst mind. 1 Std mit demselben Inhalt) schon vorbei. Also wirklich, das war der schlechteste Gottesdienst in dem ich je in meinem Leben gewesen bin.
Freitag war es dann an der Zeit, unsere Auswertung zu schreiben, Abschied zu nehmen und mit dem Bus in Richtung Göteborg zu fahren. Doch ich hatte keine Zeit nach Hause zu fahren und mich vom Seminar auszuruhen, sondern bin direkt weiter aufs Juniorlager (eine Wochenendfreizeit mit 55 Kindern im alter von 10 - 13 Jahren). Am selben Abend hatte ich gleich eine Spieleeinheit mit meiner Gruppe und die Abendandacht. Mann, war ich froh, als ich endlich in meinem Bett lag.
Samstag war voll mit Programm - von Bibelarbeit über Spiele, Freizeit, Schwimmen, Basteln, Kanu fahren, Chor bis hin zu einer Jesus-Wanderung und Andachten.
Sonntag fand unsere Morgenandacht draussen statt. Da nämlich schwedischer Nationaltag war wurde natürlich die Flagge gehisst und alle (mit Ausnahme von mir, denn ich kann den Text (noch) nicht) sangen die schwedische Nationalhymne. Tja, andere Länder, andere Sitten, oder soll man sagen, andere Vorgeschichten.... aber das ist eine andere Sache, die hier jetzt nicht hingehört....
Das Vormittagsprogramm war geprägt von einer Lektion und Baden, nach dem Mittagessen hieß es schließlich ran an die Putzeimer und zum Abschluss gab es Fika für alle Teilnehmer und die Eltern und mit einem Gottesdienst wurde das sonnige, fröhliche, schöne, ereignisreiche, aber auch anstrengende Wochenende abgerundet. Nun bin ich endlich zuhause und genieße die Ruhe.....herrlich!
Achso, zur Königsfamilie wollte ich ja noch etwas schreiben. Also, wie ihr ja sicherlich alle mitbekommen habt, heiratet die Kronprinzessen in knapp 2 Wochen. Seit Monaten wird in Schweden darauf hingearbeitet. Nicht nur, dass ganz Stockholm "renoviert" wird, nein, überall gibt es Postkarten vom Brautpaar, Schokolade und Pralinenschachteln mit dem Brautpaar, Porzellan, Schmuck und Manschettenknöpfe von und mit dem Brautpaar, und, und, und zu kaufen und im Fernsehen kommt nahezu jeden Abend auf irgendeinem Sender eine Sendung über die Königsfamilie, die Hochzeit oder was auch immer. Und nicht zu vergessen: auch die Zeitungen sind voll mit entsprechenden Artikeln, mal ganz abgesehen von den zahlreichen Sonderheften die es zu kaufen gibt. Tja, spannend.... leider, und das meine ich wirklich, denn ich LIEBE royale Hochzeiten, bin ich am Hochzeitstag auf Sommerlager und werde wohl eher keine Möglichkeit haben, den Einmarsch der Gäste und die Hochzeit selbst zu sehen...... Schade! Aber es gibt bestimmt so einige Wiederholungen :D