Gestärkt konnte es nun also ins eigentliche Vergnügen (oder war das eigentliche Vergnügen das gute Essen?) starten. Der erste Programmpunkt: "Ta chansen - Nutze die Chance" - ein Willkommen vom Pastor, eine Vorstellung aller Leiter, Schlümpfe und Jugendleiter, Berichte der Jugendleiter aus ihrer Konfirmandenzeit und Einteilung in Familien. Familien? Genau! Familien! Denn die Konfis wurden in acht Familien eingeteilt, denen jeweils eine Mama und ein Papa aus den Reihen der älteren Jugendleiter und Geschwister aus den übrigen Jugendleitern zugeteilt wurden. Als Erkennungszeichen trugen die Familien unterschiedlich farbige WWJD (What Would Jesus Do) - Armbänder und die Familiengemeinschaft zug sich durch die gesamte Freizeit. Es wurde familienweise gegessen (also schon alle zusammen, aber jede Familie hatte eben einen eigenen Tisch), es wurden Bibelstunden in den Familien abgehalten, Lektionsübungen fanden in den Familien statt, Spiele und Wettbewerbe forderten Familie gegen Familie, täglich hat eine Familie eine andere herausgefordert, z.B. im Tauziehen oder Frisbeegolf (oh, ja, Frisbeegolf - geniale Sache, dazu aber gleich noch mehr). Nun gut. Nachdem alle Konfis Mama, Papa und Geschwister gefunden hatte, sollten sich zunächst die Familienmitglieder durch Spielchen besser kennenlernen, sodass wir Leiter so was wie frei hatten. Diese Zeit nutzten Johan, Tomas und ich für eine erste (viele weitere sollten noch folgen) Frisbeegolf-Runde. Auf dem Freizeitgelände standen verteilt 10 alte Tonnen ohne Deckel, teilweise recht gut zwischen den Bäumen versteckt. Vom Start aus galt es, seine Frisbee mit möglichst wenig Würfen in die erste Tonne zu befördern. Hatte man mit mal mehr, mal weniger Würfen getroffen, war die zweite Tonne das Ziel. Hatte man alle 10 Tonnen nacheinander getroffen, so rechnete man seine gesamten Würfe zusammen und schrieb sich in eine Liste. Gut, ich gehörte bei weitem nicht zu den Besten, aber Spaß machte es trotzdem. Im Laufe der Freizeit gab es auch ein Frisbeegolf-Turnier, wobei ich (beste Runde 37 Würfe) gegen Jacob (beste Runde 25 Würfe) bereits in der Vorrunde klar ausschied.
Nach dem Kennenlernen des Geländes und der Familien war es auch schon wieder Zeit für ein stärkendes Abendessen. Danach gab es für die Konfirmanden das erste Bibelstudium in ihren Familien und auf Grund des Wetters musste unser Sandschlosswettbewerb am Strand leider durch Kennlernspielchen und Familienwettkämpfe ersetzt werden. Da die Schweden ja gerne und viel essen, gab es danach auch gleich die abendliche Fika mit Butterbroten, bevor die Abendandacht und die Gute-Nacht-Geschichte den ersten Tag abrundeten.
Sonntag. Durch erneut schlechtes Wetter und matschige Wege wird unser Sonntagsprogramm mit dem Montagsprogramm getauscht - zumindest am Vor- und Nachmittag. Es geht also los, wie die kommenden Tage auch, mit einem kurzen Mitarbeiterkreis, Morgenandacht, (mit und von mir! ) Frühstück. Dann folgen jeden Tag drei 1-stündige Lektionen, dann Mittagessen. Nach dem Mittagessen gibt es erstmal Freizeit, allerdings mit Freizeitangeboten für die, die wollen. Freizeitangebote sind Dinge wie Frisbeegolf, Volleyball, Jonglage oder Gesellschaftsspiele. Dann folgt an den meisten Tagen eine Choreinheit, in der Gospels eingeübt werden, die auf der Konfirmation von den Konfis gesungen werden. Nach dem Chor ist es Zeit für ein schmackhaftes Abendessen, gefolgt vom Bibelstudium und weiterem Abendprogramm. An diesem Sonntag sah das Abendprogramm folgendermaßen aus: zunächst T-Shirts bedrucken unter meiner Leitung. Jeder Konfirmand und jeder Jugendleiter bekommt ein T-Shirt, das er selber gestalten kann. Wichtig ist nur, das Name, Familienname (denn jede Familie hat natürlich einen Familiennamen) und Jahr auf dem Shirt steht. Nach dieser schmierigen Angelegenheit war es Zeit für einen meiner Höhepunkte dieser Freizeit. FUßBALL!!!!!! Johan hat beschlossen, dass er einmal ein Fußballspiel auf einer Freizeit gucken möchte, bei dem "seine" Mannschaft gewinnt. Da Schweden ja leider nicht bei der WM dabei war, war es beschlossene Sache, dass in diesem Jahr die deutsche Mannschaft angefeuert werden sollte. Also schnell allen entsprechende Gesichtsbemalungen verpassen, die wichtigsten "Heja-ramsor" beibringen und los geht der Spaß. Und tatsächlich - Johans Mannschaft hat gewonnen und das mit 4-0 gegen Australien. Der Höhepunkt des Spiels war nach dem ersten, von Lukas Podolski geschossenen Tor, als schätzungsweise 30-40 Schweden hinter mir "Lu-Lu-Lu Lukas Podolski" gröhlten. Wie gesagt - ein absolutes Highlight!
Aufgrund der doch fortgeschrittenen Zeit fiel an diesem Tag die Gute-Nacht-Geschichte aus, aber was solls, schließlich hat Deutschland gewonnen!
Montag morgen fing an, wie jeder andere morgen auch, doch nach dem Frühstück zogen sich die Familien zurück und jeder machte seinen eigenen "frälsarkrans". Das ist ein Armband mit unterschiedlichen Perlen, wobei jede Perle eine Bedeutung hat. Es gibt dabei die Gottesperle, mehrere Ruhe-Perlen, die Ich-Perle, die Tauf-Perle, die Sorglosigkeits-Perle, die Wüsten-Perle, 2 Perlen der Liebe, 3 Geheimnis-Perlen, die Nacht-Perle und die Auferstehungs-Perle. Mit und zu diesen Perlen folgte eine Pilgerwanderung mit Stationen zu den unterschiedlichen Perlen. Auf unserer Wanderung machten wir zwei Mal Pause um uns zu stärken (die Schlümpfe waren mit dem Auto vorgefahren, um uns zu versorgen) und eine Pause am Strand, wo einige mutige tatsächlich in die Fluten sprangen. Nach der Wanderung stürzte man sich hungrig aufs Abendessen, danach Bibelstudium, gefolgt von Lagerfeuer mit Grill ohne Feuer, dafür mit Gesang und lustigen, sich selbst aufblasenden Sumo-Ringer-Kostümen mit passender Kopfbedeckung, Abendandacht, Gute-Nacht-Geschichte, schlafen.
Dienstag. Ein gewöhnlicher Freizeit-Tag nach bereits beschriebenem Schema ohne besondere Vorkomnisse. Einen Teil der Lektion habe ich geleitet (wohoooo!), als Abendprogramm gab es weitere Kennlernspielchen (es ist gar nicht so einfach sich rund 50 Namen von Konfirmanden zu merken, wenn doch zumindest die Mädchen alle irgendwie gleich aussehen) und weitere Wettbewerbe.
Mittwoch = Tag der Liebe. Schlafmorgen. Frühstück bis halb 10. Bibelstudium. Vortrag einer indisch-stämmigen Sexologin namens Hanna über Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Mittagessen. Aufteilen der Gruppe in Mädchen und Jungen. Spiele. Herstellen von Gipsmasken unter strahlender Sonne. Chor. Abendessen. Gesprächsrunde mit Fragekiste. Abendfika. Capture the flag (ein Spiel, in diesem Fall Konfirmanden vs. (Jugend-)Leiter, jede Gruppe versteckt seine Flagge in seiner Hälfte des Spielfeldes (ganzes Gelände). Die gegnerische Mannschaft versucht, die Flagge in seine Hälfte zu holen. Es wird gerannt, geschlichen, versteckt, gefangen genommen, ins Gefängnis gesteckt und gewonnen). Abendandacht. Schlafen.
Donnerstag = freier Tag für Elin und mich :). Erstmal länger schlafen, dann im Schlafanzug in die Küche schleichen, während die Konfirmanden schon in ihrer ersten Lektion sitzen. Gemütlich in der Küche frühstücken, mit dem Küchenteam und den Schlümpfen plaudern, entspannen. Gegen Mittag kamen zwei Freundinnen von Elin mit Baby zu Besuch. Gemeinsam mit den Schlümpfen (also, zur Erklärung, die Schlümpfe waren unsere Hausmeister und "Mädchen" für alles) und Elins Besuch ging es auf nach Falkenberg. Der erste Stopp: Peggens Glassbutik. Ein Eiscafe direkt am Strand mit einer unglaublichen Auswahl an Eissorten. Mumms, wie der Schwede zu sagen pflegt. Für die Schlümpfe, die diesen Tag nunmal nicht frei hatten, ging es nach dem Eis zurück nach Boberg, während wir anderen Falkenbergs Innenstadt unsicher machten, in einem Café ein verspätetes Mittagessen genossen und kehrten dann zurück zum Haus. Ziemlich bald war unser freier Tag leider auch schon vorbei, denn am Abend stand ein Fürbittengottesdienst auf dem Plan. Wie soll ich sagen, der Gottesdienst war ganz schon, aber mir ein bischen zu extrem. Nun gut. Andere Länder, andere Sitten. Der Abend wurde abgerundet mit einer Gute-Nacht-Geschichte, gelesen von mir. Ich hoffe mal, dass es einigermaßen zu verstehen war, was ich da von mir gegeben habe, denn schwedisch lesen ist irgendwie nicht so ganz meine Stärke. Nachdem alle Konfis im Bett waren, haben wir uns noch mit einigen Leitern in der Küche getroffen und uns über den Keksvorrat hergemacht. Wozu ist man schließlich Leiter?
Freitag. Der Morgen verlief nach gewohntem Muster. Die Lektionen an diesem Vormittag wurden von Elin und mir gehalten. Jede hatte die Hälfte der Konfirmanden. Drei Stunden können ganz schön anstrengend werden, aber ich habs gemeistert! Mittag. Freizeit. Chor. Abendessen. Dann eine Wanderung zu den 10 Geboten. Die Konfis haben die Augen verbunden bekommen und wurden von Jugendleitern geführt. Alle Leiter und die restlichen Jugendleiter hatten eine Stationen zu den 10 Geboten. Dort wurden Texte vorgelesen, Aussagen mit Geräuschen unterstrichen, es gab eine kleine Massage und noch einiges mehr. Diese Wanderung fand ich richtig gut und sie hätte gut gelingen können, hätte nicht Holger, der Hauswart, genau an der Station, an der absolute Ruhe herrschen sollte und die Teilnehmer dem Takt eines Metronoms lauschen sollten, seinen Aufsitzmäher angeschmissen und seelenruhig den dortigen Rasen gemäht. Genau im richtigen Augenblick. Der Wahnsinn. Zum Glück hat der gute Holger sich, nachdem 2 Gruppen diese Station völlig versaut worden war, überlegt, vielleicht doch erstmal die Wasserschläuche wegzuräumen. Dinge gibts..... Abendfika. Abendandacht (mit und von Frauke). Schlafen.
Samstag. Der große Tag der Schweden. Hochzeitstag. Ganz Schweden spielt verrückt. Nur in Boberg herrscht die Ruhe selbst und von Hochzeitsaufregung ist nichts zu spüren. Der morgen beginnt wie gewohnt, es gibt allerdings nur eine verkürzte Lektion, es wird geputzt, das Bibelstudium darf natürlich auch nicht ausfallen. Schnelles Mittagessen in Form von Hot-Dogs und dann ging es los. Die Invasion der Familien. Es war FAMILIENTAG. Das heißt, fast alle Konfis bekamen Eltern und Geschwister zu Besuch. Natürlich wurde mit einer Fika gestartet, dann gab es einen gemeinsamen Gottesdienst, Informationen für die Eltern und dann wurde die Hochzeit, also der eigentliche Gottesdienst auf einer Großbildleinwand übertragen. Ja, da hätt ich mich hinsetzen können und mir DAS Großereignis des Jahres anschauen können, doch ich habe nur einen flüchtigen Blick auf das Barautpaar geworfen und bin dann mit einigen Kollegen wieder nach Falkenberg zu Peggens Glassbutik gefahren und statt mir im Fernsehen anzusehen, was das Kronpinzenpaar und ihre feierwütige Gesellschaft Gutes zu essen bekommt, habe ich ein dickes, leckeres Eis gegessen. Wieder auf der Freizeitanlage zurück gab es ein abschließendes Abendessen mit den Familien, bevor ich alle Jugendleiter und Konfis in den Keller zum Spielen geschickt habe. Nun hatten wir Leiter Zeit, uns aufs Abendprogramm vorzubereiten. Die Vorbereitung bestand aus Schminken und Verkleiden und Aufstellen im Gelände. Denn nun stand ein Geländespiel auf dem Programm, das wir bereits auf einer Fahrt vom CVJM ausprobiert haben, ich nun aber auf die Anzahl der Mitarbeiter und Teilnehmer ein wenig umgeschrieben habe. Bei diesem Geländespiel hat jeder Leiter eine Rolle, die er spielt, gewisse Informationen, die er preisgibt, gewisse, die er verheimlicht oder er führt einfach die Teilnehmer auf eine falsche Fährte. Die Teilnehmer versuchen nun mit ihren Familien einen Schatz zu finden, Informationen zu sammeln, die auf den Ort des Schatzes hinweisen, indem sie die verschiedenen Figuren, dargestellt von den Mitarbeitern, befragen, berauben oder wie auch immer. Dabei sind aber auch nicht alle Figuren freundlich und hilfbereit, sondern klauen, beißen, rauben wie die Wilden. Mir und den meisten anderen hat das Spiel viel Spaß gemacht und ich glaube, das ist nicht das letzte Geländespiel in der Starrkärr-Kilanda Gemeinde gewesen. Nach Abschluss des Spieles, also nachdem die erste Familie den Schatz gefunden hat, gab es noch eine Abendfika, Abendandacht, ne schöne warme Dusche um den Schmodder aus meinen Haaren zu waschen und dann ein gemütliches Bett.
Sonntag. Letzter ganzer Freizeittag. Gewöhnlicher Morgen. Dann Üben für die Konfirmation - Verhalten in der Kirche, wann wohin, Drama einüben. Mittag. Freizeit. Chor. Abendessen. Bibelstudium. Hamburger grillen. Abendandacht. Gute-Nacht-Geschichte. Gute Nacht. Von wegen!!!! Denn nachdem Sofie, unsere Chef-Nachtwache in strengem Ton die Ruhezeit bekannt gegeben hat, kam die Überraschung für die Konfis. Nix davon ins Bett :) Eine Stunde Zeit in ihren Familien, Land, passende Hymne und Verkleidung überlegen und dann ab auf den Fußballplatz - OLYMPIADE. Pünktlich um 1 Uhr kam dann das olympische Feuer in Form eines brennenden Astes mit den Schlümpfen aufs Wettkampffeld und schon konnte es losgehen. Jede Familie stellte ihr Land und ihre Verkleidung vor und sang natürlich ihre Hymne - einige waren wirklich kreativ. Es folgten einige lustige Wetkampfspielchen und nach einer Stunde war dann schließlich der Sieger ermittelt worden. Nach der Olympiade waren die Konfis frei, schlafen zu gehen oder aufzubleiben, sich draussen oder drinnen aufzuhalten. Um 3 Uhr aber war Schicht im Schacht und ab ging es ins Bett.
Montag. Abfahrt. Nach dem Frühstück fing das große Putzen und Packen an. Gemeinsam ging dieses gut über die Bühne. Vor dem Mittagessen lösten wir noch die "heimlichen Freunde" auf. Denn jeder auf dieser Freizeit hatte durch Losverfahren einen heimlichen Freund erhalten, zu dem man ein wenig netter sein sollte als zu allen anderen, aber nicht übertrieben nett, denn der heimliche Freund sollte schließlich auch nicht mitbekommen, wer denn nun der heimliche Freund ist. Ich habe zum Beispiel nette Zettelchen auf mehr oder weniger deutsch an die Tür gehängt bekommen. Die Auflösung geht so von statten, das alle in einem großen Ring stehen, das Lied "I love my monito, yes I do" gesungen wird, einer anfängt und seinen heimlichen Freund umarmt, derjenige dann seinen heimlichen Freund umarmt usw. Eine richtig tolle Sache, finde ich.
Nun gut. Noch einmal gab es Fiffis himmlisches Mittagessen, dann rein in den Bus und ab geht's Richtung Heimat.
In Nol angekommen haben Elin, Tomas und ich noch schnell alle Sachen in der Kirche verstaut, uns mit einigen Jugendleitern ins Gras geflezt, die Sonne genossen und Pizza und Eis gegessen....ein herrlicher Abschluss einer wunderbaren Freizeit!